Bürgerintiative Bonn bleibt Seilbahnfrei

Macht eine Seilbahn in Bonn Sinn?

Häufig gestellte Fragen

Wo soll die Seilbahn gebaut werden?

Es sind fünf Seilbahnstationen vorgesehen: In Ramersdorf, in der Rheinaue, am Bahnhof UN Campus, am Loki-Schmidt-Platz (früher: Hindenburgplatz) und an der Universitätsklinik. Auf dieser Strecke wird alle 200 bis 400 Meter eine Stütze errichtet. In Ramersdorf beginnend überfliegt die Seilbahn die Telekom in Beuel, überquert den Rhein und fährt in eine Station am Bötchensee in der Rheinaue ein. Über die Skulptur am Trajektknoten führt ihre Trasse zum Bahnhof UN-Campus. Von hier aus fährt die Seilbahn über die Erich-Kästner-Grundschule hinweg durch die Hermann-Milde- und Urstadtstraße zur Station Loki-Schmidt-Platz, die laut Planung über den Spielplatz gebaut wird – womöglich aber auch über den Buswendeplatz. Das dahinter liegende Feuchtbiotop wird überflogen, dann geht es den Ve-nusberghang hinauf über das Gelände der Universitätsklinik hinweg bis zur Station UKB West am Kiefernweg. Entlang der Seilbahntrasse müssen die Bereiche unter den Rollenkästen weiträumig eingezäunt werden und durch Stützen werden Straßen gesperrt oder ein Schulhof zerstört. Der Wald unter der Trasse muss aus Bergungs- und Brandschutzgründen abgeholzt werden. Die dichtbesiedelten Stadtteile Dottendorf und Kessenich sowie die Rheinaue werden sich durch die Verlagerung des Verkehrs mit großen Parkproblemen und neuer Lärmbelästigung konfrontiert sehen.

Entlastet die Seilbahn den Verkehr?

Ja, aber nur marginal. Der finanzielle Aufwand steht in keinem Verhältnis zur Verkehrsverringerung. Der Machbarkeitsstudie zufolge liegt die Entlastung der Zufahrtsstraße auf den Venusberg bei gerade einmal 8 Prozent, und dies bei fragwürdigen Berechnungsmethoden. Die Seilbahn, von Osten nach Westen verlaufend, wird keine Entlastung der Hauptverkehrsströme, die in Bonn von Norden nach Süden verlaufen, bewirken. Zudem handelt es sich bei einem Teil des Verkehrs über den Venusberg um Durchfahrtsverkehr zwischen Ippendorf und Bonn, der sich durch die Seilbahn nicht verringern würde. Die Verkehrs- und Parkprobleme werden durch die Seilbahn nicht gelöst, sondern nur an andere Orte verlagert.
Aufgrund der öffentlichen Förderung der Seilbahn sind Taktreduzierungen und Streckenstil-legungen bei Bussen und Bahnen in gleichem verkehrlichem Umfang vorgeschrieben. Dies würde den ÖPNV-Anschluss auf dem Venusberg, in Poppelsdorf, Kessenich, Dottendorf und Gronau verschlechtern und den motorisierten Individualverkehr verstärken. Für eine gelungene Verkehrswende in ganz Bonn wäre jedoch eine Verbesserung des gesamten ÖPNV erforderlich, zu dem die Seilbahn selbst nur einen vernachlässigbaren Beitrag leistet.

Wieviel kostet die Seilbahn?

Die Stadt Bonn geht von Baukosten in Höhe von 86 Millionen Euro aus. Hiervon würden das Land Nordrhein-Westfalen und der Bund 90 Prozent übernehmen, der Bonner Haushalt müsste schließlich 11 Millionen Euro aufwenden, da die Gondeln nicht subventioniert werden. Hinzu kommen die Betriebskosten in Höhe von etwa 7-10 Millionen Euro jährlich, die die Stadt Bonn zu 100 Prozent bedienen muss. Eine seriöse Kostenschätzung liegt nicht vor, gleichzeitig ist von erheblichen Zusatzausgaben im Verlauf der Realisierung auszugehen. Beispielweise ist der Venusberg-Osthang stark rutschgefährdet, sodass die Seilbahnstützen 100 m tief fundamentiert werden müssten. Dies erzeugt zusätzliche Kosten in Millionenhöhe, die von den Planern verschwiegen werden. 
Das Seilbahn-Vorhaben birgt unkalkulierbare Risiken und keinen messbaren Nutzen. Bonn und das Land laufen in eine weitere Millionenfalle. Zahlen müssen später die Bürger: Fahrpreis- und Grundsteuererhöhungen, die Ausdünnung kommunaler Leistungen Sparmaßnahmen an allen Ecken und Enden werden die Folge sein.

Ist die Seilbahn umweltfreundlich?

Nein. Die Seilbahn ist aufgrund ihrer erzeugten Emissionen umweltschädlich, die CO2-Bilanz und Einsparung von Energie ist negativ. Unabhängig von ihrer Auslastung wird die Seilbahn täglich ca. 18 Stunden (von 5:00 Uhr morgens bis 23:00 nachts) betrieben. Der hierfür benötigte Strom erzeugt mehr klimaschädliche Abgase als alle Autofahrten entlang der geplanten Route. Ob Autofahrer tatsächlich auf die Seilbahn umsteigen, ist dabei mehr als fraglich. Der Betrieb der Seilbahn mit Ökostrom (BonnNaturStrom), wie ihre Befürworter argumentieren, ist reiner Etikettenschwindel. Der Strombedarf würde zu einem wesentlichen Anteil durch Braunkohleverstromung gedeckt. Zudem werden durch die Seilbahn Teile der Landschaftsschutzgebiete Venusberghang, Rheinaue und des Rheinufers zerstört. Für den Bau der Rettungstrasse wird eine breite Schneise durch den Wald des Venusberghanges geschlagen. Wertvoller, alter Baumbestand wird geopfert, der Stadt gehen durch die riesigen Stationen mit 50 m Länge und 30 m Höhe essenzielle Frischluftschneisen und nutzbringende Feuchtbiotope verloren.

Wie werden die Bonner Bürger in die Planung einbezogen?

Für ein öffentliches Vorhaben wie dem Bau einer Seilbahn ist laut den Leitlinien der Stadt Bonn eine konsensorientierte und kooperative Bürgerbeteiligung vorgesehen. Die Stadt Bonn verstößt durch ihr intransparentes Vorgehen gegen eigene Verfahrensregeln. Zu Beginn der Bürgerbeteiligung wurde 2016 ein ausgewiesener Seilbahnlobbyist von der Stadt Bonn zum Moderator des Bürgerdialogs berufen, der diese als Werbekampagne für das Seilbahnvorhaben verstand. Obwohl die Stimmung in allen Phasen der Bürgerbeteiligung eindeutig gegen die Seilbahn war, kamen die Zuständigen des Bürgerdialogs ihrer Aufgabe zur Auswertung der öffentlichen Diskussion nicht nach. Die Stadt Bonn verweigert die Einsicht in Schlüsseldokumente wie den „Sachstand zur Nutzen-Kosten-Analyse“. Auf wiederholte Anfragen nach Einsicht in die Nutzen-Kosten-Analyse gibt die Stadt Bonn an, diese Informationen nach Abschluss des jeweiligen Verfahrens zugänglich machen zu wollen. Anstatt Bonner Bürger an dem Entscheidungsprozess teilhaben zu lassen, werden diese lediglich ex-post-facto informiert. Transparente Abläufe sehen anders aus. 

Wer steht hinter dem Projekt?

Angesichts geringer Wachstumsmöglichkeiten in den bisherigen Einsatzgebieten von Seilbahnen (Gebirgsregionen), ersuchen Seilbahnunternehmen, neue Absatzmärkte zu erschließen. Lobbyisten tun ihr Möglichstes, Städten und Kommunen die urbane Seilbahn als Lösung für Verkehrsprobleme schmackhaft zu machen. Dabei sollen die Länder und die EU die Investitionskosten tragen. Die realen Kosten für die Städte und Kommunen sowie die Umweltunverträglichkeit und weiteren Nachteile werden von der starken Lobby systematisch vertuscht. Am Ende profitieren Seilbahnunternehmen, Planungsbüros, Gutachter, Baufirmen und Stromversorger. Mit der Erstellung der Machbarkeitsstudie über die Seilbahn hat die Stadt Bonn ein Unternehmen beauftragt, das nachweislich umfangreich Daten im Sinne der Auftraggeber manipuliert hat. Dies hatte eine grandiose Irreführung der Leser der Machbarkeitsstudie und der Entscheider im Rat zur Folge.

Warum ist die Bürgerinitiative gegen die Seilbahn?

Wir, die Bürgerinitiative „Bonn bleibt seilbahnfrei“ halten diese Seilbahn für ungeeignet zur Lösung der Verkehrsprobleme und ohne Nutzen für die Bonner Bürger, finanziell riskant und dabei äußerst umweltschädlich. Auf dieser Website finden Sie unsere Argumente, Informationen zum bisherigen Verfahrensablauf sowie eine Auflistung der Risiken und Nebenwirkungen, die mit diesem millionenschweren Projekt einhergehen. 

Wir wollen, dass Bonn attraktiv und liebenswert bleibt – ohne riesige Stahlkolosse auf Schulhöfen und über Spielplätzen.

Wir wollen keine Trassenbauten und Rettungswege, die nachhaltig Landschaftsschutzgebiete beeinträchtigen und Waldgebiete des innerstädtischen Bereichs unwiederbringlich zerstören.

Die Seilbahn erzeugt Geräusche, Schattenwurf und Lichtverschmutzung. Sie verschlingt durch ihren Dauerbetrieb viel Energie mit entsprechenden CO2 Emissionen und eine Menge Geld (Steuergelder), bewirkt aber statt versprochener Entlastung lediglich eine Verlagerung von Verkehrs- und Parkproblemen.

Die Seilbahn ist als Stetigförderer ungeeignet, viele Personen zu Stoßzeiten zu befördern. Für die Verwirklichung des Seilbahnprojektes in Bonn sollen Buslinien des ÖPNV eingespart sowie Taktungen vergrößert werden. 

Was wir wollen: BONN BLEIBT SEILBAHNFREI setzt sich ein für ein durchdachtes und nachhaltiges Verkehrskonzept für Bonn.