Climate-Partner Studie

In der Machbarkeitsstudie wird ein Bericht zitiert, der die Umweltfreundlichkeit von Seilbahnen belegen soll. Allerdings ist die Studie, auf der dieser Bericht basiert, weder neutral noch sind ihre Ergebnisse auf das Bonner Seilbahnvorhaben übertragbar! Unsere Analyse der Studie zeigt auf: Bei den in Deutschland geltenden Voraussetzungen (Emissionswerte und Busauslastung laut Umweltbundesamt, nicht-alpine Bedingungen) hat die Seilbahn keine Chance gegen den Bus.

In der Machbarkeitsstudie (S. 36) schreibt der Gutachter Dr. Ing. Thomas Baum:

3.4.6 Energiebedarf
Seilbahnen sollen sehr energiesparend sein. Dies gilt uneingeschränkt nur dann, wenn diese
unter Volllast fahren und nicht zu schnell sind. Der Energieverbrauch wird im Übrigen entscheidend von den Energieverlusten verschiedener Anlagenteile bestimmt, deren Auswahl und Konzeption daher maßgeblich ist.

Der dann folgende Text (siehe unten) stammt aus der Zeitschrift Mountain Manager (Ausgabe 7/2009) und beschreibt die Ergebnisse einer Studie.

Originalzitat aus der Machbarkeitsstudie zum Artikel in Mountain-Manager 7/2009 (S. 18)

Die Originalquelle „Studie Emissionsermittlung für Seilbahnen“, erstellt durch Climate Partner Austria (August 2009), wurde vom Gutachter weder gelesen noch referiert. Diese Studie ist nicht neutral, da sie von der Firma Doppelmayr in Auftrag gegeben und finanziert wurde! Ebenso liegt das Urheberrecht der Studie bei Doppelmayr Seilbahnen und die Studie ist nicht öffentlich einsehbar.

Wir haben die Studie bei Doppelmayr angefordert und eine stark gekürzte Fassung erhalten. Dabei wurden die Daten und Messwerte „aus Datenschutzgründen“ ausgelassen. Uns lag die Quelle jedoch bereits vor. Da diese Studie für den Energiebedarf und die Umweltfreundlichkeit der Seilbahn herangezogen wurde, muss sie hier referiert werden. Daher zitieren wir aus der Quelle und erklären auch die Messmethode und die Ergebnisse.

Problematische Ergebnisse der Studie im Überblick:

1. Ungeeigneter Emissionsfaktor
In der Studie wird durchgängig mit einem Emissionsfaktor von 250 g CO2/kWh gerechnet. Für Deutschland gilt im gleichen Jahr (laut Umweltbundesamt Deutschland) 624 g CO2/kWh*, also ein 2,5-fach höherer Wert. Diesbezüglich findet sich in der Studie (S.6) folgende Einschränkung: 

„Dieser im Vergleich zu anderen Ländern geringe Wert [Anm. der Redaktion: gemeint ist der Emissionsfaktor bei der Stromerzeugung] ergibt sich durch den österreichischen Strommix mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Technologien wie der Wasserkraft. Werden die Seilbahnen in einem anderen Land betrieben, muss dieser Wert auf den örtlichen Strommix angepasst werden. Dadurch können sich die Ergebnisse der Emissionen von Seilbahnen deutlich verändern.

*Anmerkung: Der Emissionsfaktor sinkt aufgrund der Umstellung auf erneuerbare Energien von Jahr zu Jahr. Derzeit liegt er bei 530 g CO2/kWh. Allerdings ist dabei zu beachten: Zusätzlicher Stromverbrauch (z.B. durch eine Seilbahn), erhöht den Emissionsfaktor wieder, da die zusätzlich benötigte Energie durch fossile Verbrennung erzeugt wird. Die einzig sinnvolle Strategie für den erwünschten Energiewandel ist: Energie einsparen und keinen neuen Verbrauch erzeugen!

2. Kein überprüfbares Testverfahren

„Bei den 33 Seilbahnen handelt es sich bei allen um den Typ 8-MGD. Die angegebenen Daten stammen von den durchgeführten Bremsproben der Doppelmayr Seilbahnen GmbH. Diese Seilbahnen werden mit den aus der folgenden Tabelle zu entnehmenden Auslastungsfällen berechnet. Diese Auslastungsfälle wurden von Doppelmayr Seilbahnen GmbH angegeben.“

Das bedeutet, dass Climate Partner keine eigenständigen Messungen durchgeführt hat. Stattdessen wurden die Emissionswerte auf Basis von Daten berechnet, die von der Firma Doppelmayr stammen. Die Tatsache, dass diese Daten nicht nachprüfbar sind, und obendrein vom Auftraggeber selbst geliefert wurden, weckt Zweifel an der Seriosität der Studie. Stattdessen hätte der Stromverbrauch der Seilbahn, Aufzüge, Beleuchtung gemessen, sowie die im Messzeitraum beförderten Personen ermittelt werden müssen. Nur dann wäre ein Vergleich der Werte mit den Emissionen anderer Verkehrsmittel, insbesondere der Busse, zulässig.

3. Irreführende Werte
Im Teil 6, Emissionsfaktoren von anderen Verkehrsmitteln, finden sich in der Studie:

Emissionsfaktor Auto:
Für das Auto wurde ein Emissionsfaktor von 248 g/P km verwendet. Der Wert des deutschen Umweltbundesamtes beträgt 142 g/P km. Nur dieser Wert hätte in Deutschland angesetzt werden dürfen. Durch den zu hoch angesetzten Emissionsfaktor des Autos schneidet die Seilbahn vergleichsweise besser ab, als es der Wirklichkeit entspricht.

Der Vergleich dieser – auf undurchsichtige Weise ermittelten Emissionen pro Personenkilometer – ist nicht zulässig, weil die Verkehrsmittel verschiedene Wege nehmen. Zudem kann dieser Wert bei Massenverkehrsmitteln je nach Einbeziehung der Randbedingungen, z. B. des Energieverbrauchs der Seilbahnstationen (Aufzüge etc.), stark variieren und zu sehr verschiedenen Ergebnissen führen.

Auslastung Verkehrsmittel:
Die untersuchte Seilbahn hat 50 % Auslastung und wird mit einem Bus mit 12 Passagieren (circa 12 % Auslastung) verglichen. Bei einem Vergleich müssen die Bedingungen gleich sein. Warum wurden hier unterschiedliche Auslastungen gewählt? Hier wurde die Auslastung des Busses so gewählt, dass die Seilbahn im Vergleich gerade noch siegt. Der statistische Linienbus des deutschen Umweltbundesamtes mit 21 % Auslastung (das entspricht etwa 21 Passagieren) hätte gegen die Seilbahn im Climate-Partner-Gutachten bei den Emissionen stets haushoch gewonnen. Zudem ist eine 50-prozentige Auslastung der Seilbahn ein unrealistischer Fall, der bei urbanen Seilbahnen nicht vorkommt. Dies würde z. B. bedeuten, dass während der morgendlichen Stoßzeit alle hochfahrenden Gondeln bis auf den letzten Stehplatz gefüllt wären, und alle herunterfahrenden Gondeln leer wären. Hat die Seilbahn aber weniger als 50 % Auslastung, gewinnt der Bus, wohlgemerkt ein Bus mit 12 Passagieren. Sind mehr Passagiere im Bus, gewinnt der Bus immer gegen die Seilbahn.

4. Bedingungen im Test bei Climate Partner:

29,27 % durchschnittliche Steigung der Seilbahn, der Bus muss eine 3,14 mal längere Strecke (Serpentinen) fahren. Es handelt sich um eine hochalpine Situation.

In der Gegenüberstellung Seilbahn-Bus steht der Satz: „Da der Bus ebenso wie ein PKW in extremen Steigungen und beim Einsatz im Winter auf seine Einsatzgrenzen stößt, zeigt sich die Seilbahn in diesem Vergleich eindeutig als die technisch sinnvollste und emissionsärmste Variante Personen bergauf zu befördern.“

Die Straßenbedingungen zum Venusberg sind alles andere als hochalpin: Der Venusberg hat einen Höhenunterschied zu Dottendorf von maximal 110 m. Bei einer Strecke entlang der Robert-Koch- und Graf-Stauffenberg-Straße ergibt dies eine durchschnittliche Steigung von weniger als 5 %. Kein Bus zum Venusberg muss in Serpentinen hochfahren, wie dies bei der Climate-Partner-Studie der Fall war.

Abschließender Satz der Studie: “[…] ab einer Auslastung von 50 % […] werden die Emissionswerte der Bahn und des Busses unterschritten.”

dort S. 33 oben: „Bei zu geringen Personenbeförderungen ergeben sich hohe Emissionswerte pro Personenkilometer, die deutlich über den CO2-Emissionen von Bahn und Bus liegen.“

Selbst bei den undurchsichtigen Prüfbedingungen, die zum Vorteil der Seilbahn gewählt wurden, gewinnt die Seilbahn nur bei mindestens 50 % Auslastung. Damit beweist die Studie eigentlich das Gegenteil: Bei den in Deutschland geltenden Voraussetzungen (Emissionswerte und Busauslastung laut Umweltbundesamt, nicht-alpine Bedingungen) hat die Seilbahn keine Chance gegen den Bus.