Fehler: Geologie und Hangrutschungen

Rutschanfälligkeit und dadurch entstehende Gefahren

Der Venusberg-Osthang ist geologisch vielschichtig: Er besteht aus bis in Tiefen von 100 m verwittertem devonischen Schiefer. Darüber lagern bis 10 m mächtige Sand- und Kiesschichten (ehemaliger Rheingrund) sowie Lehm- und Schluffschichten. Dieses rutschanfällige Areal sollte nicht bebaut werden. Karten des geologischen Dienstes NRW, wissenschaftliche Untersuchungen und zahlreiche historisch belegte Rutschungen beweisen dies. Obwohl der Stadt Bonn bekannt, wurden diese Risiken in der Machbarkeitsstudie mit keinem Wort erwähnt.
Es drohen unkalkulierbare Kosten, instabile Stützen und Gefahr für Leib und Leben der Anwohner.

Treppe oberhalb Hinsenkampstraße, Bonn Dottendorf (Foto: Reichert)

Bereits mit dem bloßen Auge ist erkennbar, dass der Osthang des Venusbergs in Bewegung ist. Kippende Treppenstufen, abgebrochene Wege und das „Säbelwachstum“ von Bäumen sind sichtbare Folgen der Kriechbewegung des Hanges. Diese Bewegung erfolgt mit einigen cm pro Jahr, kann aber auch zu plötzlichen Abrissen und Hangrutschungen führen.Hangrutschungen sind kein neues Phänomen, sondern sind, wie beispielsweise in der Dissertation Dr. Ulrike Hardenbickers (siehe unten) häufig und gut dokumentiert. Bohrungen für den Venusbergtunnel, z. T. selbst von der Stadt Bonn beauftragt, belegen ebenfalls die Gefahr von Rutschungen. Schließlich ist die Gefahr von Hangrutschungen am Osthang des Venusbergs auch in den ausführlichen Dokumenten des Geologischen Dienstes des Landes NRW beschrieben. Diese sind vor jeder Baumaßnahme einzusehen, um die Tragfähigkeit des Untergrundes zu bestimmen. Laut Machbarkeitsstudie (S. 9) hat der Gutachter, Dr. Baum, diese Karten (5208 Bonn) zu Rate gezogen. In den Erläuterungen der ingenieurgeologischen Karte 1:25.000, 5208 Bonn befindet sich ein Kapitel „Rutschungen“, wo ausdrücklich auf den Osthang des Venusberges als „rutschungsgefährdet“ verwiesen wird.

Säbelwachstum bei Bäumen deutet auf aktive Rutschungen hin. Venusberg Osthang (Foto: Reichert)

Kriecht der Untergrund, so werden z. B. Bäume durch die Bewegung aus der Senkrechten gezogen und neigen sich hangabwärts. Durch Geotropismus, also Wachstum entgegen der Schwerkraft, gleicht der betroffene Baum dies teilweise aus. So entstehen diese Wuchsformen. Spontane Rutschungen sind ebenfalls in verschiedener Ausprägung häufig am Venusberghang anzutreffen. 

Junge Hangrutschung, am Alter der Baumstämme erkennbar. Dottendorf oberhalb Quirinusbrunnen (Foto: Reichert)

Die auf den Fotos erkennbaren Fließ- bzw. Kriechsymptome (Kippen der Treppen, Säbelwachstum der Bäume, Umstürze gesunder Bäume) gelten als typische Anzeichen instabiler Hänge. Bei einem derart unsicheren Untergrund, ist von teilweiser Unbebaubarkeit, mit Sicherheit aber von zusätzlichen Kosten ausgehen. Diese Kosten zur Sicherung sind nicht ohne weiteres spezifizierbar: Sie können nur durch Bohrungen abgeschätzt und verifiziert werden. Diese müssen im Vorfeld einer Planung zwingend durchgeführt werden.

Zusätzliche Kosten

Am Venusberghang sollen mehrere Stützen für die Seilbahn aufgestellt werden. Eine 1-S-Seilbahn erfordert alle 200 bis 400 m ein Stütze, die erhebliche Lasten tragen muss.

Aus der massiven Verwitterung und Rutschgefährdung des Venusberghanges im betroffenen Bereich ergeben sich zahlreiche Probleme:

Karte des Venusberg-Osthanges aus einer Veröffentlichung von Jörg Grunert und Ulrike Hardenbicker (1996): Tiefenzersatz der devonischen Gesteine und seine Bedeutung für die Hangrutschungen am Beispiel des Venusberges in Bonn.
  • Die Baustelle kann Leib und Leben der Anwohner und der am Bau Beteiligten gefährden.
  • Auch nach Ende der Baumassnahme können, verursacht durch die Bautätigkeit, noch Rutschungen auftreten.
  • Falls eine (ca. 15 m breite) Trasse freigeschlagen wird, entfällt auch noch der Schutz des Hanges durch das Wurzelwerk der Bäume.
  • Der Bau der Stützen erfordert tiefgründige verbreiterte Fundamentierungen, die sehr hohe Kosten verursachen könneneine Gefahr darstellen.

All dies wurde in der Machbarkeitsstudie nicht erwähnt, wohl um das Projekt nicht durch hohe Kosten zu gefährden. Es steht zu befürchten: Hinterher wird das Projekt um ein Mehrfaches teurer als geplant!

Ist die Unterschlagung der Kenntnis dieser Gefahren nicht ein Betrug am Steuerzahler, am Rat, der die Entscheidung aufgrund vorgelegter Kosten trifft, und am Land, das diese unsinnige Verkehrsmassnahme größtenteils bezahlen muss?

Um nicht unsinnige Verkehrsprojekte mit extremen Kosten finanzieren zu müssen, ist bei allen Projekten über 25 Millionen Euro eine Nutzen-Kosten-Analyse gesetzlich vorgeschrieben. Werden nun Kosten „vergessen“, so ergibt sich ein besserer Nutzen-Kosten-Indikator und das Projekt wird förderfähig. Diese Taktik scheint bei öffentlichen Bauvorhaben regelmäßig zur Anwendung zu kommen, wie an den stark steigenden Baukosten während der Projektrealisation erkennbar wird.

Zur geologischen Situation in diesem Bereich am Osthang des Venusbergs sowie im Bereich Friesdorf schrieben Grunert und Hardenbicker u. A. den hier im Original abgebildeten Text:

Prof. Jörg Grunert und Prof. Ulrike Hardenbicker untersuchten und kartierten zwischen 1991 und 1997 Hangrutschungen: Auf der Karte erkennt man neben einer großen Hangrutschung an der Rosenburg eine sehr große Rutschung in Dottendorf (Bergstraße) von 1937 (im Bild Druckfehler: 1927), eine Rutschung am Kalenberg in Friesdorf sowie vier kleinere Rutschungen am Venusberghang südlich der Rutschung Bergstraße. Die Rutschungen an der Bergstraße sowie die südlich davon gelegenen betreffen genau den Bereich der Seilbahntrasse.

Areal der Rutschung an der Bergstraße (1937), die heute noch aktiv ist.  (Auszug aus Google Earth

Dieses Bild aus Google-Earth zeigt den Bereich der Hangrutschung an der Bergstraße, die 1937 stattfand. Diese Rutschung läuft genau auf den Hindenburgplatz zu. An der gelockerten Struktur der Baumwipfel im Rutschungsbereich in der Bildmitte erkennt man, dass die Rutschung noch aktiv ist, d. h. der Hang kriecht langsam in die Tiefe. Denn eigentlich müssten die Baumwipfel durch Phototropismus (biol.: wachsen in Lichtrichtung) innerhalb weniger Jahre wieder die Lücken schließen. Aufgrund derandauernden Bewegung des Hanges reißen aber immer wieder Teile auf. Trotz der Rutschgefahr soll die Seilbahntrasse mit mehreren Stützen hier den Venusberghang hinauf laufen.

Gutachter

Wieso wurden diese Risiken nicht von den Bauingenieuren im Planungsamt und im Stab der Gutachter vor der Planung abgeklärt? Hier offenbaren sich Fahrlässigkeiten. Der Oberbürgermeister, die Verwaltung, der ärztliche Direkter des UKB, die Seilbahnhersteller und ihre Lobbyisten, der Fahrradclub, der VCD und schließlich auch einige Politiker und Fraktionen versuchen die Entscheidung zum Bau der Seilbahn mit scheinbar kleinen Kosten durchbekommen. 
Dieses Verhalten der Verwaltung und ihrer Unterstützer ist einer der Schlüssel für die stets sich verteuernden öffentlichen Bauvorhaben.

Liste dokumentierter Rutschungen im Bonner Raum, Teil 1  (aus U. Hardenbicker)

Zahlreiche Quellen belegen die Rutschgefährdung des Venusberg-Osthangs. Die Verwaltung hat Kenntnis von den historisch belegten Hangrutschungen, die im Stadtarchiv hinterlegt sind, den Bohrungen am Fuß des Venusbergs bei der Planung des Venusbergtunnels, die den unsicheren Grund belegen. Sie hat auch Kenntnis von den Untersuchungen zwischen 1991 und 1996 durch Bonner Forscher, die Hangrutschungen am Osthang des Venusbergs untersucht und die Ergebnisse der Verwaltung überlassen haben. Auch der Gutachter Dr. Baum hat angeblich (s. S. 9 der Machbarkeitsstudie) die ingenieurgeologische Karte eingesehen und will nichts von den dort ausdrücklich erwähnten Rutschungen gemerkt haben.

Das ist nicht glaubhaft. Denn ein derart unsicherer Untergrund erzeugt riesige Kosten bei der Fundamentierung der Seilbahnstützen, die genau im gefährdeten Bereich liegen. Wir fürchten, dass das städtische Planungsamt, das durch massive Verteuerung bestehender oder vergangener Projekte, durch Missmanagement und Fehlleistungen aufgefallen ist, hier die Krönung seiner Leistungen vollbringt: eine bauliche Katastrophe, eine Kostenfalle im Millionenbereich und eine Gefährdung von Leib und Leben der Anwohner.