Kosten

Ein weiteres Großprojekt mit hohem Verschuldungspotenzial

Die finanziellen Verhältnisse der Stadt Bonn sind sehr angespannt: Bis 2025 sollen die Schulden von derzeit 1,9 Milliarden Euro auf 2,5 Milliarden Euro ansteigen. Großprojekte verschlingen Millionen: Allein der Schuldendienst für das World Conference Center Bonn beläuft sich für die kommenden 41 Jahre auf täglich ca. 25.000 Euro. Fehlplanung und Konzeptlosigkeit führen in zum Beispiel in der Sanierung der Oper und der Viktoriabrücke zu einer Vervielfachung der Kosten und riesiger Verzögerung in der Fertigstellung. Dies sind nur einige Beispiele vieler schlecht betreuter Vorhaben.

Die Stadtwerke sollen die geplante Seilbahn betreiben – bei jährlichen Kosten von rund 10 Millionen Euro! Da die Seilbahn mit einem normalen Bus- und Bahnticket genutzt werden kann, werden kaum Mehreinnahmen generiert. Gleichzeitig sollen die Stadtwerke mindestens 2 Millionen Euro pro Jahr in die Stadtkasse einzahlen. Wie sollen die Stadtwerke die hohen Betriebskosten für die Seilbahn erwirtschaften, geschweige denn einen solchen Überschuss generieren? Es ist mit Preiserhöhungen im öffentlichen Personennahverkehr sowie weiteren Ausgaben für die Seilbahn aus dem städtischen Haushalt (die an anderer Stelle fehlen werden!) zu rechnen. Eine Erhöhung der Grundsteuer, also eine Umwälzung der Kosten auf die Bonner Bürger, ist wahrscheinlich. Dies geschah bspw. nach der 380 Millionen Euro-Pleite durch das WCCB.

Die Seilbahnbefürworter behaupten, die Stadt Bonn erhalte die Seilbahn nahezu umsonst, weil das Land NRW das Vorhaben mit bis zu 90 Prozent bezuschussen würde. Leider finden der Anstieg der Baukosten, die Folgen des Ausfalls bestehender ÖPNV-Verbindungen und Ausfälle bei Wartung, Starkwind und Gewitter etc. in dieser Überlegung keine Berücksichtigung.

Die Kosten-Nutzen-Analyse soll Aufschluss über die zu erwartenden Kosten bringen. Ihre Veröffentlichung steht jedoch noch aus. Welche verheerenden Probleme sich jetzt schon in dieser entscheidenden Analyse abzeichnen, können sie hier nachlesen. Wie bei kommunalen Großprojekten üblich, ist davon auszugehen, dass in der Planung viel geringere Kosten angenommen werden, als schlussendlich auf die Bonner Bürger*innen zukommen. Die Gutachter (Spiekermann GmbH Consulting Engineers) des Bonner Projekts sind dieselben wie für die Seilbahn Wuppertal.

Welche Baukosten sind realistisch?

Deshalb gehen wir von wesentlich höheren Baukosten aus als bisher angenommen:

  1. In der Machbarkeitsstudie wurden die Baukosten aus Kosten pro Meter Seilbahn errechnet. Hierzu wurde ein Mittelwert aus den Kosten-pro-Meter vieler sehr unterschiedlicher Seilbahnen in Höhe von 10.000 Euro gebildet. Bei der Kostenberechnung für die Bonner Seilbahn handelt es sich also um eine ungefähre Schätzung.
  2. Die aktuelle Trasse ist nicht endgültig. Es werden bereits deutliche Verlängerungen, zum Beispiel bis zur Haltestelle Ramersdorf, diskutiert. Diese würden einen enormen Anstieg der Bau- sowie der Betriebskosten nach sich ziehen.
  3. Einige in der Machbarkeitsstudie beschriebene Pläne sind nicht umsetzbar und bedürfen dringend einer Überarbeitung. In der Folge dieser Fehlplanung ist mit hohen zusätzlichen Kosten zu rechnen.
    • Einige Seilbahnstützen sind an schwierig realisierbaren Stellen eingezeichnet (u. a. auf der Verkehrsinsel des Trajekt-Kreisels und auf dem Schulhof der Erich-Kästner-Grundschule).
    • Bislang wurden noch keine Untersuchungen der Umweltverträglichkeit und geologischen Gegebenheiten entlang der geplanten Trasse durchgeführt. Unter anderem ist der Venusberghang stark rutschgefährdet.
  4. Zahlreiche weitere Kosten entstünden zudem aufgrund
    • der Erhöhung des Brandschutzes der direkt überflogenen Gebäude,
    • der Entschädigung betroffener Anwohner,
    • der Schaffung von Infrastruktur (Parkhäuser, Zuwege),
    • die Umgestaltungen im Erholungsgebiet Rheinaue und vielem mehr.
  5. Bestehende Projekte beweisen, dass beim Bau urbaner Seilbahnen von massiven Kostensteigerungen auszugehen ist:
    1. Seilbahn Wuppertal
      geplant: 50 Mio. Euro – tatsächlicher Stand 2017: 82,7 Mio. Euro. Im Mai 2019 wurde das Seilbahnprojekt in einem Bürgerentscheid abgelehnt (62 % stimmten dagegen).
    2. Seilbahn London
      geplant: 25 Mio. Pfund (fast 30 Mio. Euro) – tatsächlicher Stand 2017: 62,5 Mio. Pfund (ca. 75 Mio. Euro). Die Seilbahn fährt pro Jahr 3,3 Mio. Pfund Verluste ein. Die Schließung wird diskutiert.

Welche Nutzungsdauer ist realistisch?

Gerne werden in der Planung unrealistisch lange Nutzungsdauern angenommen, damit der Nutzen steigt und die durchschnittlichen jährlichen Kosten für die Investition sinken. Diverse sich in Planung befindliche Seilbahnen haben eine prognostizierte Nutzungsdauer von etwa 10 bis 46 Jahren. Die Seilbahn müsste also nach ca. 30 Jahren, vermutlich früher, erneuert werden. Die Stadt gibt keine Auskunft darüber, wie dies finanziert werden soll. Da Kommunen keine Rücklagen bilden, müsste diese kostenaufwendige Erneuerung aus dem laufenden Etat bezahlt werden. Zu den maroden Bädern, der Beethovenhalle usw. käme also eine weitere dringend sanierungsbedürftige Großanlage hinzu.

Welche Betriebskosten sind zu erwarten?

Die bemerkenswerte Aussage, die Seilbahn verursache keine Betriebskosten, korrigierte der Gutachter nachträglich und bezifferte die jährlichen Kosten für den Betrieb auf 1,4 Mio. Euro. Aufgrund erwarteter Kosteneinsparungen durch die Reduzierung des Busverkehrs und Einsparungen durch den nicht erfolgten Ausbau der Robert-Koch-Straße, wurden die Betriebskosten schließlich sogar mit 700.000 Euro angegeben.

Folgende Gründe sprechen für deutlich höhere Kosten als in der Machbarkeitsstudie veranschlagt:

  1. Lohn-, Gehalts- und Nebenkosten

In der Machbarkeitsstudie wurde fälschlicherweise nur 1 Schicht und 5 Arbeitstage pro Woche angesetzt. Wir haben anhand des Personalbedarfs, der zur Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zu erwarten ist, realistische Lohn-, Gehalts- und Nebenkosten in Höhe von 3,15 Mio. Euro errechnet. Unsere Berechnung können Sie hier im Detail nachvollziehen:

  1. Stromkosten

Bei dem erwarteten Jahresstromverbrauch der Seilbahn von 6,2 Mio. Kilowattstunden und 30 ct/ kWh sind jährliche Stromkosten von 1,9 Mio. Euro zu erwarten (Stand 2021). Bei dem derzeitigen Anstieg der Stromkosten um jährlich etwa 5 Prozent wären zum Start des Betriebes im Jahr 2028 schon von Stromkosten pro Jahr in Höhe von 2,5 Mio. Euro auszugehen.

  1. Wartung, Versicherungen, Sicherheitsdienste und Reinigung

Kosten für Wartung, Versicherungen, Sicherheitsdienste und Reinigung wurden in der Machbarkeitsstudie nicht berücksichtigt, fallen jedoch an.

  1. Ersatzverkehrsmittel

Bei einem Ausfall der Seilbahn aufgrund von Starkwind, Gewitter und Wartungsarbeiten muss ein Ersatzverkehr durch Busse gewährleistet werden. Da diese (zumindest zeitweisen) Ausfälle des Betriebs an etwa 30-40 Tagen im Jahr zu erwarten sind, entstehen massive Zusatzkosten.

  1. Rücklagen

Bei 30 Jahren Lebensdauer und Kosten von 86 Mio. Euro lägen allein die notwendigen Rücklagen bei 2,9 Millionen Euro jährlich. Sie müssen berücksichtigt werden, denn die Seilbahn ist ein verschleißendes Projekt. Ob die Seilbahn tatsächlich 30 Jahr hält, bleibt abzuwarten.

Setzt man die nicht berücksichtigten Kosten realistisch an, kommt man auf mindestens weitere 4 Mio. Euro pro Jahr.

In der Summe ergeben sich damit 9 – 10 Mio. Euro pro Jahr an Gesamtbetriebskosten, das sind 25.000 bis 27.000 Europro Tag. Also noch einmal ein WCCB.

Fazit:  Wird das Seilbahnprojekt realisiert, so müssen alle Bonner Bürger*innen zahlen! Diese zusätzliche hohe Belastung käme auf den bereits jetzt hoffnungslos überschuldeten städtischen Haushalt zu.