Spielplatz und Schule in Gefahr

Loki-Schmidt-Platz

In den dicht besiedelten Bonner Stadtteilen Kessenich und Dottendorf ist die kleine “Grüne Lunge” am Loki-Schmidt-Platz (ehem. Hindenburgplatz) mit der Anbindung an den bewaldeten Venusberghang die einzige zentrale Anlaufstelle für die Kinder der umliegenden Kindergärten, Kitas und Schulen. Vor allem die nahegelegenen Kindergärten St. Quirinus, die Floh-Kiste, Mobile e. V. und andere nutzen diesen Ort für naturnahe pädagogische Konzepte, für Erkundungen im Wald, Fledermaus-Workshops, Matschhüpfen und vieles mehr.

Die Seilbahn würde die Anlage einer Rettungsschneise erfordern, sowohl für den Bau als auch für die eventuelle spätere Höhenrettung von Seilbahn-Passagieren. Der jetzige alte Baumbestand müsste großräumig abgeholzt werden. Nicht nur zahlreiche seltene und schützenswerte Tier- und Vogelarten verlieren ihren Lebensraum. Für Kinder geht unwiederbringlich ein stadtnahes Biotop mit seinem gesamten Erlebniswert verloren. Auch für Wanderer und Spaziergänger bedeutet dies einen unschätzbaren Verlust an Lebensqualität.

Die zwei im Landschaftsschutzgebiet am Venusberghang geplanten Seilbahnstützen sollen eine Höhe von mehr als 40 Meter erreichen, die dritte an der Klinikmauer sogar 45 Meter. Sie überragen die Höhe der Bäume und erscheinen als technische Fremdkörper in der Waldlandschaft. Durch den Bau der urbanen Seilbahn wird das Gesamtbild des Stadtviertels zerstört.

Spielplatz Hindenburgplatz
Der neu errichtete Spielplatz am Hindenburgplatz, Kosten 190.000 €.

Der unmittelbar auf der Grünfläche des Hindenburgplatzes gelegene Spielplatz ist bedroht. Er wurde erst 2018 mit Steuergeldern in Höhe von 190.000 € umfassend saniert und mit neuen Spielgeräten ausgestattet. Täglich wird er – auch im Winter – von zahlreichen Kindern und Eltern der angrenzenden Wohnviertel benutzt und ist ein zentraler nachbarschaftlicher Treffpunkt. Auch von den Kindergärten und Schulen der Umgebung wird der Spielplatz gern als quartiernahes Ausflugsziel und zur Pausen- und Nachmittags-Gestaltung frequentiert. Wird die urbane Seilbahn realisiert, wird der Spielplatz von dem stetigen Pendelverkehr der Gondeln überflogen und überschattet werden.

Auf der kleinen Grünfläche werden riesige Stützen sowie eine Seilbahnstation in 15 m Höhe errichtet. Die anliegenden Wohnhäuser sind ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen.


Darstellung des Bahnhofs in der Machbarkeitsstudie von 2017

Die Machbarkeitsstudie von 2017 stellt den Seilbahn-Bahnhof am Loki-Schmidt-Platz (ehem. Hindenburgplatz), wie in der folgenden Skizze zu erkennen, als rotes abgewinkeltes Rechteck dar. Die roten Kreise mit innenliegendem Kreuz symbolisieren die Stützen der Seilbahnanlage. Die Seilbahnstation und die Stützen wirken verhältnismäßig klein. Errechnet man die Maße wie vom Gutachter in der Skizze eingezeichnet, so hätte der abgebildete Bahnhof eine Länge von 24,6 Meter auf der Innenseite und 32,6 Meter auf der Außenseite. In Wirklichkeit ist die Anlage jedoch doppelt so lang wie die Skizze suggeriert. Folgt man den inhaltlichen Angaben der Machbarkeitsstudie (unter Berücksichtigung der Geschwindigkeit des Seils, der notwendigen Beschleunigung bzw. des notwendigen Abbremsens der Gondeln sowie notwendiger Sicherheitsabstände), so ergibt sich die wahre Länge des Seilbahn-Bahnhofs: circa 50 Meter auf der Innennseite und circa 60 Meter auf der Außenseite. Der Bahnhof würde somit weit über die Mitte des Sandkastens ragen. Die 15 Meter hohe Rollenstütze, die rechts neben der Station eingezeichnet ist, müsste entsprechend Richtung Straße versetzt werden. Damit wäre auch die „Wiese für freies Spielen“ zerstört.

Skizze zum Seilbahnbahnhof am Hindenburgplatz. Quelle: Auszug aus Anhang 2 der Machbarkeitsstudie
Montage mit Bild aus Wikipedia

Bereits realisierte Projekte vermitteln ein realistisches Bild: In Ankara (Türkei) wurde eine 1-S-Seilbahn bereits realisiert. Wir haben eine Seilbahnstation von Ankara in den wirklichen Dimensionen, wie oben ausgeführt, an den Loki-Schmidt-Platz montiert. Grundlage war der Anhang 2 der Machbarkeitsstudie sowie die physikalischen Gegebenheiten bei einer Seilbahn mit einer Geschwindigkeit von 6m/sec. Etwa so sähe es aus, wenn die Seilbahnstation (15 m hoch, 18 m breit, ca. 50 m lang) gebaut würde. 

Schulen und KiTas

Die Erich-Kästner-Schule wird derzeit von etwa 220 Schülern besucht. Das Konzept der Offenen Ganztagsschule (OGS) umfasst eine Betreuung der Kinder von 8:00 bis 18:00 Uhr. Aufgrund des langen Aufenthalts der Kinder von acht und mehr Stunden in der Schule und auf dem Schulhof ist die Gestaltung des gesamten Schulgeländes als Erholungsraum von grundlegender Bedeutung.

In Anhang 2 der Machbarkeitsstudie kann die Position der Stütze abgelesen werden. Die Seilbahnplanung sieht eine 32 Meter hohe Stütze auf dem Schulhof vor, die nur ca. 15 m hinter dem Schulgebäude errichtet wird. Der Rollenkasten muss wegen möglichen Eisschlags im Winter am Grund mit einem Zaun eingefriedet werden. Dadurch geht ein beträchtlicher Teil des Schulhofes verloren, der noch dazu unmittelbar vor dem Eingang liegt. 

Fotomontage (maßstäblich) der Erich-Kästner-Schule mit einer Rohrstütze.

Die geplante Seilbahntrasse überquert mittig das gesamte Schulgelände, mit dem Gebäude und dem Schulhof. Dieser wird für die Passagiere der Seilbahn aus den Gondeln heraus lückenlos einsehbar. Die Kinder verlieren ihr Grundrecht auf Schutz ihrer Privatsphäre. Ein unbeschwerter Aufenthalt der Kinder auf dem Schulhof nicht mehr möglich. Den Schattenwurf der ständig über ihren Köpfen schwebenden Gondeln werden viele Kinder als Bedrohung empfinden.

Der Schulhof als Ort für die notwendigen Erholungspausen zwischen den Schulstunden zum Laufen, Spielen und Toben wird zunichte gemacht. Auch beim Blick aus den Klassenzimmern wird die Konzentration der Kinder durch den ununterbrochenen Schattenwurf und die Geräusche am Rollenkasten beeinträchtigt werden.

Auch der Kindergarten Flohkiste (40 Kinder, Nähe Haribo) und der Betriebskindergarten der Telekom am Landgrabenweg (51 Kinder) liegen im Bereich der geplanten Trasse und sind durch die Seilbahn bedroht.

Zitat: „Die Schule liegt halt ungünstig”  (Walter Sehnal, Gutachter, am 22.06.2017)

Schüler- und Elternprotest gegen die Seilbahn

Rheinaue

Der besondere Charakter der Rheinaue als weitläufige Parklandschaft – Ort der Erholung und Freizeit für die Bonner Bevölkerung mit offenem Blick auf Rhein und Siebengebirge – wird durch die Seilbahn Trassenführung quer über die Grünflächen hinweg verloren gehen.

Zitat: „Die Station kommt damit auch direkt an den Bötchen See zu stehen und wird diesen entsprechend prägen“ (Machbarkeitsstudie, S. 96/97)