Umwelt

Obwohl streng geschützt, werden durch die Seilbahn Teile der Landschaftsschutzgebiete Venusberghang, Rheinaue und des Rheinufers zerstört.

Abholzung am Venusberghang und Bebauung des Loki-Schmidt-Platzes

Für den Bau der Rettungstrasse muss eine breite Schneise durch den Wald des Venusberghanges geschlagen werden. Wertvoller, alter Baumbestand wird geopfert. Der Lebensraum zahlreicher Tierarten wie dem Hirschkäfer, Feuersalamander, diverser Fledermausarten, sowie die Brutstätten vieler Vogelarten werden unwiederbringlich zerstört.

Dem Waldgebiet am Venusberghang kommt (entsprechend der Klimazonenkarte) große Bedeutung als Kaltluftschneise zu. In der Kessellage Bonns mit den bekannten gesundheitlichen Risiken für Herz- und Kreislauferkrankungen darf die klimatische Lage nicht weiter durch Baumrodungen und hohe Betonaufbauten verschlimmert werden.

Der Loki-Schmidt-Platz (ehem. Hindenburgplatz) mit dem erst 2018 eingeweihten Spielplatz (190.000 € Kosten) liegt genau auf der Trasse und wird alle 15 Sekunden von einer Gondel überflogen. Diese quartiersnahe Stadtoase fällt somit dem Seilbahnprojekt zum Opfer.

Zerstörung wertvoller Feuchtbiotope

Mehrere Feuchtbiotope und schützenswerte Waldstücke müssten den Stahlkonstruktionen der Seilbahn weichen. Am Ufer des Bötchensees in der Rheinaue soll eine 20 m hohe Station, und im Wald am Venusberghang sollen drei Stützen von 40 m+ Höhe errichtet werden. Das Feuchtbiotop am Loki-Schmidt-Platz – wichtig für Amphibien und Insekten – muss einem massiven Seilbahn-Bahnhof weichen. An seiner Stelle entstehen Stahlkonstruktionen für Fahrstühle, um die Gondel-Plattform in 12 m Höhe zu erreichen.

Das Feuchtbiotop am Loki-Schmidt-Platz bietet wertvollen Lebensraum für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten. Das Grünflächenamt der Stadt Bonn hat das Potential dieser Fläche als ökologisch wirksam und aktiv erkannt und fördert die Ansiedlung standortgerechter Pflanzenarten um die Artenausstattung zu erhöhen und das Blüh- bzw. Nahrungsangebot für viele Tiere zu verbessern.

Auf einer Tafel am Rand des Feuchtbiotops klärt das Grünflächenamt der Stadt Bonn die Bürger*innen über die Gegebenheiten und das Entwicklungspotential des Gebietes am Loki-Schmidt-Platz auf. Es informiert darüber, dass im Zuge der ökologischen Aufbereitung von Grünflächen im Stadtgebiet diese Fläche als ökologisch wirksam und aktiv erkannt und dahingehend weiterentwickelt werden soll, damit diese als Lebens- und Wohnraum für die verschiedensten Tier- und Pflanzenarten dienen kann.

Lärm und Lichtverschmutzung

Die Anwohner der Trasse würden durch das Geratter, das bei Gondelüberfahrten an den Stützen entsteht, aus dem Schlaf gerissen oder in ihrer Konzentration gestört. Alle 30 Sekunden führe in jeder Richtung eine Gondel, also wäre das Geräusch alle 15 Sekunden zu hören, von 5:30 Uhr am Morgen bis nach 24:00 Uhr in der Nacht. Gleichzeitig würden die Gondeln tagsüber störenden Schattenwurf und nachts Lichtverschmutzung erzeugen. 

Zudem müsste auf das Seil der Seilbahn permanent Schmierfett aufgetragen werden. Insbesondere unter den Rollenbatterien der Stützen und in den Bahnhöfen würde das abfallende Fett Straßen und Wege verschmutzen.

Naturnahe Lebensräume müssen erhalten bleiben!


Hohe Emissionen

Die Seilbahn ist durch die im Betrieb erzeugten Emissionen umweltschädlich, die CO2-Bilanz und Einsparung von Energie ist negativ. Nicht minder erzeugt der für den Betrieb der Seilbahn benötigte Strom mehr klimaschädliche Abgase als alle Autofahrten auf der geplanten Route.

Wir haben die Emissionen berechnet: Sie entsprechen etwa 20.000 Autofahrten (mit dem statistischen Standardauto des Umweltbundesamtes), die die gleichen Ziele anfahren. Damit ist dieses Projekt – egal wie viele Autofahrer umsteigen – viel umweltschädlicher als der bisherige Zustand ohne Seilbahn. Eine wirkliche Verbesserung würde lediglich der Umstieg der Autofahrer auf den normalen ÖPNV bringen. Hierfür müsste das Angebot an Busverkehr zum Venusberg verbessert werden.

Vergleich: Seilbahn – Busverkehr 

Ein Vergleich mit den Emissionen des Linienbusses (21 Fahrgäste, Standardbus des Umweltbundesamtes), der die gleiche Strecke fährt ergibt: Die Seilbahn wird erst dann emissionsmäßig günstiger als Busfahrten, wenn täglich mehr als 40.000 Personen die Seilbahn benutzen. Ist der Bus mit mehr als 21 Fahrgästen besetzt, werden die Verhältnisse noch ungünstiger für die Seilbahn.

Vergleich: Seilbahn – PKW-Verkehr

Die geplante urbane Seilbahn ist ein Stetigförderer, das heißt sie fährt nicht nur bei Bedarf, sondern stetig während der 18-stündigen Betriebszeit. Hinzu kommt täglich eine Stunde für Inbetriebnahme und Abschalten. Passt man die Werte zu einer bestehenden Seilbahn (Gigijochbahn in Sölden) auf die Verhältnisse in Bonn (zwei Segmente mit 2000m bzw. 2200m Länge, dazu insgesamt 5 Stationen) an, ergibt sich eine Leistung von 1.500 kW. Dazu kommen für die Bewegung der Gondeln in den Bahnhöfen (Reifenförderer), die Aufzüge und die Beleuchtung nochmals 15 % hinzu. Bei einem 19-stündigen Betrieb (19 Std. x 1.500 kW) ergibt sich ein täglicher Energieverbrauch von 33.000 kWh. Dies erzeugt 18 T CO2-Emission im Kraftwerk erzeugt, und dies 365 Tage im Jahr.

Damit ergibt sich eine Jahresemission von 6.500 T  CO2 , und das ausgelöst in einer Stadt im “Klimanotstand”.
18 T CO2 täglich entspricht laut Werten des Umweltbundesamtes den Abgasen von ca. 20.000 Pkw-Fahrten auf einer durchschnittlichen Fahrtstrecke der Seilbahn (Mittelwert 5,2 km auf der Straße, aus der Position der Seilbahnstationen berechnet.).
Also: 20.000 Autofahrten jeden Tag vom UN-Campus durch Baunscheidtstraße, Genscherallee, Willy-Brandt-Allee über die Reuterstraße, Hausdorffstraße, Robert-Koch-Straße bis ins Klinikum Venusberg erzeugen die gleiche Menge klimaschädliches CO2 wie die geplante Seilbahn. Und das Tag für Tag und zusätzlich zum Abgas aus dem bestehenden Verkehr.

Hintergrund: Jede Kilowattstunde Strom erzeugt für den aktuellen Strommix eine Emission von 537g CO2 (Emissionsfaktor der Stromerzeugung ; Wert des Umweltbundesamtes). Der Strommix bezieht sich auf den in Deutschland erzeugten Strom aus fossilen Energieträgern, aus Kernkraft, Wasserkraft und den Anteil aus Wind-, Solar- und Bioenergie.

Fazit

Derzeit beträgt der tägliche Verkehr zum Venusberg ca. 13.000 Fahrten. Darin sind alle Autofahrten, Buspassagiere, Versorgungsfahrzeuge, Krankenwagen, Fahrräder, Fußgänger, Mopeds und Taxis enthalten. Die Autofahrten machen davon weniger als die Hälfte aus, also höchstens 6.500. Es ist nicht anzunehmen, dass ein Wert von 20.000 Autofahrten pro Tag jemals erreicht wird.

20.000 Autofahrten täglich müssten aber durch die Seibahn ersetzt werden, damit die Abgasbelastung durch die Seilbahn nicht größer als der jetzige Zustand wäre. Das ist nicht möglich.

Die Protagonisten der Seilbahn argumentieren, die Seilbahn würde mit umweltfreundlichem “Grünem Strom” betrieben und so entstünden durch die Seilbahn keinerlei Emissionen. Und sie verweisen auf den von den Stadtwerken Bonn gelieferten Ökostrom (“BonnNaturstrom”) für die Seilbahn anzusetzen. Dies ist nichts weiter als Etikettenschwindel.

Energieverbrauch und CO2-Emissionen Seilbahn